Jugendamt Sömmerda uneingeschränkt erreichbar​

Kinderschutz in Corona-Zeiten: „Im Zweifel das Jugendamt einschalten“

​Geschlossene Schulen und Kitas, Kontaktverbote, gestresste Familien: Von den drastischen Einschränkungen im Zuge der Coronavirus-Pandemie sind viele Kinder und Jugendliche im Landkreis Sömmerda besonders betroffen. Darauf weist das Jugendamt Sömmerda hin – und appelliert an Eltern, Angehörige und Nachbarn, beim Thema Kindeswohl genau hinzuschauen.

„Zwar schweißt die Corona-Lage viele Familien zusammen. Eltern und Kinder verbringen mehr Zeit miteinander. Der Alltag muss neu organisiert werden. Aber es kann auch passieren, dass Konflikte jetzt schneller eskalieren und Kinder Gewalt oder Verwahrlosung erleben“, erklärt Martina Weise-Watzek, Leiterin des Jugendamts Sömmerda. Ein besonderes Risiko gebe es in Familien, in denen psychische Erkrankungen oder Suchtprobleme eine Rolle spielten. 

„Klar ist: Das Jugendamt ist auch weiterhin erreichbar. Wir gehen jedem Hinweis nach“, betont Martina Weise-Watzek. Unter der Telefonnummer 03634 354-629 können sich Eltern melden, die von der aktuellen Situation überfordert sind und Hilfe brauchen. Auch wer den Verdacht hat, dass Kinder leiden oder Angst vor ihren Eltern haben, kann dort anrufen. Es sei jedoch unbedingt zum „Double-Check“ zu raten: Kreischende Geschwister, Getrampel auf dem Boden oder laute Musik in der Nachbarswohnung seien noch lange kein Hinweis auf eine Kindeswohlgefährdung. „Aber, wenn die Kinder selbst um Hilfe rufen bzw. die Eltern sagen: ‚Ich pack‘ s nicht mehr‘, sollte man das Jugendamt einschalten – oder im äußersten Fall die Polizei“, macht die Jugendamtsleiterin deutlich. 

Die Corona-Pandemie stelle dabei auch das Jugendamt vor neue Herausforderungen. So seien Sozialarbeiter*innen und Familien-helfer*innen in getrennten Teams unterwegs, um die Infektionsgefahr zu minimieren, berichtet Martina Weise-Watzek. Auch Atemschutzmasken seien wichtig.


 

​„Entscheidend ist, dass der Kontakt zu Familien, die bereits vom Jugendamt betreut werden, nicht abreißt. ​Wo das Kindeswohl einmal in Gefahr war, gehen wir auch jetzt regelmäßig in die Familien, um sicherzustellen, dass es den Kindern gut geht.“​ 

Um bei den Hausbesuchen die Infektionsgefahr möglichst gering zu halten, gehe das Jugendamt auch neue Wege. So kämen verstärkt Telefonate oder Konversationen im Freien mit nötigem Mindestabstand zum Einsatz, Gespräche würden teils an der Fensterscheibe geführt. „Aber am Face-to-Face-Kontakt zum Kind führt kein Weg vorbei. Das Wohl der Kinder hat für uns auch unter widrigen Umständen allerhöchste Priorität“, betont die Amtsleiterin.

Bislang sei allerdings noch unklar, ob die Corona-Krise zu deutlich mehr Notrufen beim Jugendamt Sömmerda führe. „Es sind oft die Pädagog*innen in Schulen und Kitas, die sich mit Verdachtsfällen bei uns melden. Aber die sehen die Kinder und Jugendlichen aktuell ja nicht. Stattdessen könnte es zu mehr Meldungen von Nachbarn, Verwandten oder Bekannten kommen“, schätzt Martina Weise-Watzek.

Im vergangenen Jahr bekam das Jugendamt Sömmerda 111 Hinweise auf mögliche Misshandlungen von Kindern und Jugendlichen, wobei 226 Kinder und Jugendliche betroffen waren. Das Jugendamt kümmert sich dabei um jeden einzelnen Fall. 35 Fälle stuften die Mitarbeiter 2019 als so alarmierend und schwerwiegend ein, dass sie die Kinder und Jugendlichen aus Familien herausholen mussten, um sie zu schützen. 

In der aktuellen Krise werde besonders deutlich, wie wichtig die Arbeit der Jugendämter ist, sagt die Amtsleiterin: „Der Kinderschutz leistet eine unverzichtbare Aufgabe in der Gesellschaft – so wie etwa auch die Krankhäuser, die Polizei und die Feuerwehr. Auf das Jugendamt ist Verlass.“